Die Bergtour auf den Spitzkofel ist lang, fordernd und abwechslungsreich. Doch einmal am Gipfel angekommen eröffnet sich ein fantastischer Blick über die Hohen Tauern und Gaitaler Alpen.

Spitzkofel in den Lienzer Dolomiten

Beinahe unwirklich ragt der Spitzkofel, gelegen in den Lienzer Dolomiten,  mit seinen felsigen Zacken in den tiefblauen Sommerhimmel. Bereits bei der Ankunft in der Sonnenstadt Lienz fiel uns seine Präsenz auf. Und auch vom Balkon unserer Ferienwohnung aus, war der 2717 m hohe Berg nicht zu übersehen. Schnell stand fest, dieser Berg lohnt eine Tagestour.

Allerdings ließ das perfekte Wetter für unsere Unternehmung auf sich warten. Heiße Temperaturen von über 30°C und Hitzegewitter am frühen Nachmittag machten uns einen Strich durch die Rechnung. Denn die Tour zum Spitzkofel ist lang und bietet wenig Schutz vor plötzlichen Wettereinbrüchen.

Heute, am letzten Urlaubstag in Leisach, ist der perfekte Tag endlich gekommen. Die Vorfreude ist groß.

Vom Parkplatz Klammbrückl zur Kerschbaumeralm

Über die steinige Straße fahren wir im Schneckentempo zum Parkplatz Klammbrückl. Dort angekommen ist erstaunlich wenig los. So früh am morgen ist es angenehm ruhig, die Luft frisch. Wir stapfen gleichmäßig den Güterweg Richtung Kerschbaumeralm hinauf. Der Weg bis zur Alm zieht sich gefühlt ewig hin. Denn der Wald bietet kaum Abwechslung und aus dem Tal heraus ist nicht wirklich etwas zu sehen.

Nur der Klettersteig Verborgene Welt erregt unsere Aufmerksamkeit. Am liebsten würden wir direkt einsteigen, so verlockend führt der Steig entlang des Klapf-Wasserfall und durch die Schlucht. Allerdings müssen laut Schild rund 1,5 Stunden für das Klettervergnügen einberechnet werden. Wir ringen mit uns, lassen diese Möglichkeit aber dann verstreichen. Schließlich haben wir noch einige Wegkilometer und Höhenmeter vor uns liegen.

Klettersteig Verborgene Welt

Langsam lichtet sich der Wald und die Almböden kommen in Sicht. Wir erreichen das Kerschbaumalm Schutzhaus auf ca. 1900 m. Es sieht einladend aus, aber auch hier enscheiden wir uns nach einem kurzen Päuschen weiterzugehen. Vom Weg, der vor uns liegt, hören wir schon das laute Mähen, der dort weidenden Schafe.

Hallebachtörl und Spitzkofel Klettersteig

Als wir die letzten Bäume hinter uns lassen, taucht ein großartiges Panorama vor uns auf. Wir stehen auf einer wunderschönen grünen Wiese, von der wir den 2694 m hohen Kreuzkofel bestaunen dürfen. Und auch das Hallebachtörl kommt in Sicht. Dorthin geht es nochmal ziemlich steil berghoch, bevor man in das Hallebachtal und erstmals nun auch auf unseren Zielberg schauen kann.

Panoramablick Kerschbaumeralm
Auf dem Weg zum Hallebachtörl

Der obere Teil des Hallebachtals, in dem wir uns nun befinden, ist von Schotter überzogen. Der Weg scheint ewig am Rand der Felswände zu verlaufen. Doch die schnell aufziehenden stimmungsvollen Wolken verwandeln das Tal in eine großartige Kulisse. Abgesehen von einem Trailrunner, sind wir alleine hier oben.

Blick zurück ins Hallebachtal

Jetzt kommt der Teil, auf den wir uns am meisten gefreut haben: Der Spitzkofel Klettersteig. Von nahem sieht der Fels des Berges extrem locker und bröselig aus. Deshalb setzen wir unsere Helme auf, bevor wir einsteigen. Das war eine gute Entscheidung, denn immer wieder rieseln Steinchen auf uns nieder.

Hier oben kommen wir uns vor wie auf einem anderen Planeten. Schroffe Felsen und lockeres Gestein verstärken dieses Gefühl noch einmal. Die kleine Kletterei ist einfach fantastisch und fordert unsere Aufmerksamkeit. An der Linderhütte denken wir, jetzt kann es nicht mehr weit sein. Falsch gedacht. Erstmal geht es wieder rund 50 hm bergab. Bevor es über den Seil versicherten Steig zum Gipfel weitergeht. Jedoch sind die Drahtseile teilweise aus ihren Verankerungen gerissen. Später erfahren wir, dass erst 2 Tage zuvor ein Blitz eingeschlagen hat.

Spitzkofel Klettersteig

Verdient: Der Gipfelblick

Nach circa 5,5 h eröffnet sich uns der Blick auf das unspektakulär aussehende Gipfelkreuz. Macht nichts, schließlich gibt es hier oben genug anderes zu sehen: Lienz, die Gipfel der Gaitaler Alpen und ganz nah die Zacken der Spitzkofelgruppe. Einfach nur großartig. Die Sonne scheint, Wolken ziehen an uns vorbei. Heute ist das Leben einfach nur schön, denken wir uns, bevor es nach 45 Minuten und einer verdienten Pause ins Tal zurückgeht.

Geschafft! Am Gipfel des Spitzkofel.

Wegbschreibung

  • Höhenmeter: 1700 hm
  • Gehzeit: 9 h
  • Streckenlänge: 17,5 km
  • Schwierigkeit: T4
  • Ausrüstung: Helm von Vorteil
  • Karte: KOMPASS Wanderkarte Lienzer Dolomiten, Lesachtal, Karnischer Höhenweg; (Band 47); Wander-, Fahrrad, und Skitourenkarte
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    Wir starten am Parkplatz Klammbrückl und folgen dem markierten Güterweg/ Steig Nummer 10 Richtung Kerschbaumeralm Schutzhaus. Dabei passieren wir erst die Talstation einer Materialseilbahn, später gehen wir auch an dem verlockend aussehenden Klettersteig Verborgene Welt (D) vorüber. Über die Almböden erreichen wir das Schutzhaus. Von dort aus geht es weiter über das Hallebachtörl (2399 m). Wir queren ein Schotterfeld und finden Schließlich den Einstieg zum Spitzkofel Klettersteig. Nach der Biwakschachtel Linderhütte (2683 m) folgt erst ein kurzer Abstieg, bevor der versicherte Steig nach ca. 5,5 Stunden schließlich bis auf den Gipfel führt.

    Retour folgen wir dem selben Weg. Alternativ kann man aber auch über das Hallebachtal absteigen. Die Abzweigung befindet sich nahe beim Kuhbodentörl.

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